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RNZ 11.11.2003
Castor lässt sich nicht aufhalten

Gleisblockade behindert Castor-Transport Mehr als 100 Castorgegner haben die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg bei Rohstorf (Kr. Lüneburg) besetzt und halten damit den Castor-Transport auf dem Weg zur Umladestation in Dannenberg auf.

Dannenberg (dpa) - Der siebte Castor-Transport ins atomare Zwischenlager Gorleben hat am Dienstag weitgehend störungsfrei das niedersächsische Wendland erreicht. Die letzten 20 Kilometer werden die zwölf Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague spätestens am Mittwoch auf Speziallastwagen zurücklegen.

Das Großaufgebot von 13 000 Polizisten und Grenzschützern stieß auf immer stärkeren Protest von mehreren tausend Atomkraftgegnern. So wurde bei Quickborn eine Straße unterspült, um das Passieren der Schwerlaster zu verhindern.

Die Sicherheitskräfte beendeten Blockadeaktionen zumeist schnell und ohne Gewalt. Dennoch wurde der Atomzug auf seiner Fahrt quer durch Frankreich und Deutschland bis nach Dannenberg insgesamt mehr als sechs Stunden aufgehalten. Bei einem der größten Polizeieinsätze in der Geschichte der Bundesrepublik blieb die Lage am Dienstag wesentlich ruhiger als bei Castor-Transporten in der Vergangenheit. So hatten sich vor allem 1997 Polizisten und Castor-Gegner blutige Auseinandersetzungen geliefert.

Am Dienstagvormittag hatten bei Rohstorf kurz hinter Lüneburg rund 150 Atomkraftgegner die Bahn-Strecke blockiert. Der Transport stoppte kurze Zeit. Beamte des Bundesgrenzschutzes räumten den Abschnitt. Castor-Gegner warfen der Polizei eine zunächst «unverhältnismäßig brutale Räumung» vor. Erst durch die Vermittlung von Pastoren sei die Aktion dann ruhig verlaufen.

Zuvor war es in Lüneburg zu Rangeleien zwischen Sicherheitskräften und etwa 70 Demonstranten gekommen, die kurzzeitig die Gleise besetzt hielten. Die Beamten räumten die Blockade vor Eintreffen der 112 Tonnen schweren Castor-Behälter und nahmen zahlreiche Demonstranten fest. Das Bahnhofsgelände war weiträumig abgesperrt. Selbst Stadtbusse konnten nicht weiterfahren. Vor dem Bahnhof demonstrierten rund 150 vorwiegend junge Leute. Sie trugen ein Plakat mit der Aufschrift «Unternehmen DB Strahlentod» gegen die Beteiligung der Deutschen Bahn AG an Castor-Transporten.

Auf den rund 1000 Kilometern quer durch Deutschland war es lediglich nahe Heilbronn zwei Atomkraftgegnern gelungen, sich an den Gleisen fest zu ketten und einen mehr als eine Stunde langen Stopp des Atomzuges zu erzwingen. Die Polizei nahm sie in Gewahrsam. In Göttingen ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen Castor-Gegner am Güterbahnhof vor.

In der Nacht zum Dienstag hatten auf einer der beiden möglichen Strecken Atomkraftgegner bei Quickborn im Wendland eine Straße unterspült. Dazu hatten sie eine Wasserleitung angezapft, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Straßenbauamt habe das Stück repariert.

Der erste Castor-Behälter mit Atommüll wurde 1995 in das Zwischenlager gebracht. Kernstück ist eine 182 Meter lange, 38 Meter breite und 20 Meter hohe Halle. Darin gibt es maximal 420 Stellplätze. Davon sind nach den Castor-Transporten 1995, 1996, 1997, 2001 und 2002 bislang 32 Plätze belegt.